Rettungsgasse bilden

Ein- zwei- Mehrspurig: Wo ist die Gasse für Rettungsfahrzeuge?

Je nachdem, ob Sie sich in der Innenstadt oder auf der Autobahn befinden, müssen Sie anders auf das Herannahen der Einsatzfahrzeuge reagieren.


Die Rettungsgasse auf einer einspurigen Straße

In der Stadt steht Kraftfahrzeugen oftmals nur eine Spur zu Verfügung. Der Platz ist eng, die Bildung einer Rettungsgasse muss daher gut abgestimmt werden. Die Rettungsgasse soll Chaos auf den Straßen verhindern, deshalb müssen dazu alle Fahrzeuge möglichst weit rechts an den Straßenrand fahren.

Die Rettungsgasse soll Chaos auf den Straßen verhindern.

 

Dabei gilt:

  • Achten Sie auf den restlichen Straßenverkehr – fahren Sie gegebenenfalls noch ein paar Meter weiter, um Fahrzeugen hinter Ihnen zu ermöglichen, ebenfalls Platz zu machen.
  • Richten Sie Ihr Fahrzeug parallel zur Fahrbahn aus – ein hinausragendes Heck kann die Rettungsgasse unpassierbar machen.
  • Stehen Sie an einer roten Ampel, können Sie einige Meter in die Kreuzung vorfahren, damit die anderen Fahrzeuge besser rangieren können – Fußgänger und Fahrradfahrer müssen hier auf ihren Vorrang verzichten.
  • Nutzen Sie Ihre Blinker: Damit signalisieren Sie den Einsatzfahrzeugen, in welche Richtung Sie Platz machen wollen.
Verringern Sie Ihre Geschwindigkeit angemessen und achten Sie auf die Richtungsanzeiger des Einsatzwagens – unter Umständen blockieren Sie eine Straßeneinfahrt.  

Zweispurige Straßen: Die Rettungsstraße führt durch die Mitte

Fahren Sie auf einer zweispurigen Straße, gilt zur Bildung der Rettungsgasse folgende Regelung:

 

  • Kfz, die sich auf der linken Spur bewegen, fahren möglichst weit nach links.
  • Kfz, welche die rechte Spur benutzen, fahren möglichst weit nach rechts. Dabei ist der Standstreifen ausnahmsweise zu benutzen, um auszuweichen.

 

Auf diesem Weg können die Feuerwehr-Einsatzfahrten ungehindert durch die Mitte beider Fahrbahnen fahren. Wichtig: Sobald eine Straße mehr als eine Spur aufweist, verläuft die Rettungsgasse nicht mehr auf der linken Spur, sondern auf der direkt daneben. Häufig lässt sich beobachten, dass Autofahrer hektisch versuchen, diese Fahrspur für die Rettungskräfte freizuhalten. Dabei begehen sie aber eine Ordnungswidrigkeit.


Auf der Autobahn eine Rettungsgasse bilden: Dreispurig und mehr

Ab drei Spuren greift stets dieselbe Regelung zur Bildung einer Rettungsgasse. Autos und Lkw, die sich auf der linken Spur befinden, fahren so dicht wie möglich an den linken Fahrstreifenrand. Die Fahrzeuge auf allen anderen Spuren drängen hingegen nach rechts.

 

Die Rettungsgasse entsteht also immer zwischen der linken Fahrspur und ihrer anliegenden Spur.

Achten Sie dabei stets auf einen angemessene Geschwindigkeit. In Stausituationen kochen die Gemüter der Verkehrsteilnehmer oftmals hoch. Drängeln, hupen oder eine irrationale Fahrweise können aber in diesem Kontext schnell zum unfreiwilligen Kontakt mit anderen Fahrzeugen und zum Unfall führen. Beachten Sie daher auch den Abstand zum Vordermann.


Bußgeld „Rettungsgasse“

Nicht nur für die Behinderung von Einsatzfahrzeugen kann ein Bußgeld für ein Fehlverhalten bei der Bildung einer Rettungsgasse verhängt werden. Auch die Missachtung der Pflicht zur Gassenbildung gemäß § 11 StVO kann zu einem Bußgeld führen.

Darf eine Rettungsgasse von „normalen“ Verkehrsteilnehmern befahren werden?

Der eine oder andere Autofahrer blickt im Stau sehnsüchtig auf die offene Gasse. Diese lädt zur Benutzung ein, um schneller ans Ziel zu gelangen. Doch Vorsicht! Das Befahren der Rettungsgasse ist für gewöhnliche Fahrzeuge nicht erlaubt! Hierbei droht nicht nur ein Bußgeld. Der Tatbestand ist auch mit einem Strafpunkt in Flensburg belegt.


Platz machen, um Leben zu retten

Auch wenn es oft funktioniert, hakt es auch in Deutschland bei der Durchführung der lebensrettenden Maßnahme "Rettungsgasse bilden". Hektische Lenkbewegungen, lautes Hupen und unsichere Fahrer, die nicht wissen, wohin sie fahren sollen, erschweren den an sich einfachen Vorgang.

Die rechtliche Grundlage der Rettungsgasse findet sich in der Straßenverkehrsordnung (StVO):

"Blaues Blinklicht zusammen mit dem Einsatzhorn darf nur verwendet werden, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden, eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung abzuwenden, flüchtige Personen zu verfolgen oder bedeutende Sachwerte zu erhalten. Es ordnet an: „Alle übrigen Verkehrsteilnehmer haben sofort freie Bahn zu schaffen“. (§ 38 Absatz 1 StVO)

Das blinkende Licht und das laute Martinshorn lösen bei vielen Verkehrsteilnehmern den Reflex aus, Platz für die Rettungskräfte zu schaffen und eine Rettungsgasse zu bilden. Allerdings muss diese Reflexhandlung in rationale Bahnen gelenkt werden, damit eine wahrhaftige und benutzbare Gasse entsteht.


Bei Stau pauschal eine Rettungsgasse bilden

Doch die StVO geht noch weiter: Nicht nur beim Herannahen eines Rettungsfahrzeuges, sondern allgemein bei Stau muss eine Rettungsgasse auf der Autobahn und außerorts gebildet werden:

"Sobald Fahrzeuge auf Autobahnen sowie auf Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder sich die Fahrzeuge im Stillstand befinden, müssen diese Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen zwischen dem äußerst linken und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrstreifen für eine Richtung eine freie Gasse bilden.“ (§ 11 Absatz 2 StVO)

Diese Regelung wird in Deutschland von den allermeisten Verkehrsteilnehmern missachtet. Doch die Bestimmung ist im Falle eines Unfalls sinnvoll und kann Leben retten. Ein Stau oder stockender Verkehr entsteht außerorts meist nicht ohne Grund: Gerade auf der Autobahn ist trauriger Weise oftmals ein Unfall für die Staubildung verantwortlich. Durch den Rückstau können weit rückliegende Verkehrsteilnehmer die Ursache des Staus nicht erkennen. Beginnt erst mit dem Eintreffen der Feuerwehr die Bildung der Rettungsgasse, geht unter Umständen viel Zeit verloren. Richten sich aber aller Auto- und Lkw-Fahrer vorab auf die Freilassung der Rettungsgasse ein, können die Einsatzfahrzeuge auf dem schnellsten Weg zu dem Unfallort gelangen.

Die Regelung sollte zudem ein auf deutschen Straßen allzu bekanntes Verhalten verhindern: Kaum ist ein Rettungswagen durch die Rettungsgasse gefahren, drängen die Verkehrsteilnehmer in die Lücke zurück.

Dabei folgen in der Regel noch weitere Einsatzfahrzeuge, welche ebenfalls eine Rettungsgasse benötigen.

Wieso nicht den Standstreifen nutzen?

Die meisten Autobahnen und viele Außerortsstraßen verfügen über einen Stand- oder Pannenstreifen. Dieser darf in der Regel nicht befahren werden. Zur Bildung einer Rettungsgasse dürfen Sie jedoch mit der Hälfte Ihres Fahrzeugs in den Seitenstreifen hineinragen.

Früher benutzten Rettungsfahrzeuge den Standstreifen für die Einsatzfahrten. Dies birgt jedoch unnötige Gefahren: Selbst auf Autobahnen ist der Seitenstreifen nicht durchgängig befahrbar – bei Ein- und Ausfahrten verschwindet er beispielsweise.

Daher hat sich das Prinzip der Rettungsgasse auf der regulären Fahrbahn eingebürgert.

Quelle: https://www.bussgeldkatalog.org/rettungsgasse